Klima-Kapital: Wie wir die Klimawende bezahlen und unsere Wirtschaft aus der Krise führen

In den nächsten 10 Jahren geht es ums Ganze. Das Jahrzehnt 2021–2030 ist entscheidend, um den Klima- und Umweltnotstand auf unserem Planeten zu bekämpfen. Schon in der nächsten Wahlperiode brauchen wir konkrete Ergebnisse. Die EU möchte bis 2050 klimaneutral werden, in Deutschland könnte dies schon deutlich früher geschehen. Dazu kommt der Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Für all das brauchen wir Investitionen in Billionenhöhe. Klima retten geht nicht ohne Geld! Letztlich nutzt uns schuldenfrei sein nichts, wenn unsere Lebensgrundlagen ökologisch zerstört sind.

Geld für den grünen Zukunftspakt! Jetzt!

Zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Krisen fordern wir ein umfassendes Investitions- und Transformationsprogramm, den Grünen Zukunftspakt. Konkret wollen wir in den nächsten 10 Jahren mehr als eine halbe Billion Euro in Deutschland investieren. Denn für den Staat ist Sparen in Krisenzeiten der falsche Weg. Der „grüne Hebel“ staatlicher – grüner Investitionen – muss jetzt genutzt werden. Damit wollen wir unsere Wirtschaft digital und wettbewerbsfähig aus der Corona-Krise führen und sie nachhaltig und sozial-ökologisch gerecht aufstellen. Dafür benötigen wir auch einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien und neuer Klimaschutz-Technologien, und müssen die Mobilitäts- und Agrarwende vorantreiben.

Green Bonds für einen grünen Planeten

Das grüne Investitionsprogramm kann primär durch die Aufnahme von Mitteln über die Kapitalmärkte, insbesondere über grüne Staatsanleihen („Green Bonds“), finanziert werden. Deutschland sollte deutlich mehr Schulden aufnehmen und kann sich das leisten! Die deutsche Schuldenquote liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt und auch dem anderer großer Industrienationen (G7). Dabei ist Deutschland eine der weltweit stärksten Volkswirtschaften und verfügt über eine der höchsten Kreditwürdigkeiten der Welt. Deutsche Staatsanleihen erzielen je nach Laufzeit niedrige oder sogar negative Zinsen, d.h. internationale Investoren bezahlen uns sogar dafür, dass wir diese Finanzierungen über die Kapitalmärkte aufnehmen! Weil diese Möglichkeiten bisher ignoriert wurden, haben wir viel Zeit im Kampf gegen den Klimawandel verloren. Diesen Finanzierungs-Spielraum dürfen wir nicht ungenutzt lassen, sondern müssen klug die Möglichkeiten der Kapitalmärkte ausnutzen und in den nachhaltigen Umbau unserer Wirtschaft investieren. Nur dann können wir die Zukunft unserer Kinder sichern.

Nachhaltigkeit muss zum Leitprinzip des Kapitalmarktes werden. Wir brauchen einen massiven Ausbau von Green Bonds sowie deren Erweiterung um Soziale Bonds, die sozial gerechten Zwecken gewidmet sind. Gleichzeitig müssen wir die Milliarden Anlagegelder von Versicherern und Pensionsfonds, die immer noch zu einem gewichtigen Teil in fossilen Brennstoffen stecken, rausholen („Divestment“) und in nachhaltige Anlagen umschichten. Auch die Energiewende muss mittels Finanzinstrumenten angekurbelt werden, die Investoren Anreize geben, klimafreundliche, innovative Investitionen zu tätigen und so ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ein Beispiel sind Modelle zur Förderung von erneuerbaren Energien, die sowohl Investor*innen als auch den Endkund*innen zugutekommen (etwa durch sogenannte „Differenzverträge“).

Politische Fehler müssen rückgängig gemacht werden, beispielsweise muss die 10H Abstands-Regelung für Windräder sofort aufgehoben werden. Und bei all dem müssen wir strikt sein und müssen Umgehung durch „Greenwashing“ unterbinden. Ein klarer Plan braucht klare Regeln.

Messbare Nachhaltigkeit

Wir müssen Nachhaltigkeit messbar machen. Ein erster Schritt dorthin ist die EU Taxonomie, welche die erste „grüne Liste“ für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten und nachhaltiges Finanzieren darstellt. Diese sollte nun noch um soziale Faktoren und eine tiefere Betrachtung des Digitalsektors erweitert werden. Wir benötigen daneben unabhängig finanzierte Rating-Agenturen, die den Unternehmen auch bei öko-sozialen Indikatoren auf die Finger schauen sowie eine korrekte und umfangreiche öko-soziale Daten-Erfassung. Darüber hinaus benötigen wir auch eine Verknüpfung von Berichtspflichten und Vorstandsvergütung mit wissenschaftlich begründeten Klimazielen.

Damit gesellschaftliche Kosten zukünftig besser in Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden, benötigen wir zudem eine unabhängige und transparente Kostenberichterstattung zu Sozialindikatoren, nach dem Vorbild der Unit-Kosten-Datenbanken in Großbritannien und Portugal. Wir müssen berechnen und transparent machen, was die Gesellschaft zum Beispiel ein Tag Gefängnis, ein verlorener Kita-Platz oder ein Prozentpunkt mehr Jugend-Arbeitslosigkeit kostet. 

Auch „verwaiste“ Bankkonten sollten zukünftig nicht automatisch nach 30 Jahren an die Bank fallen, sondern ebenfalls nach internationalem Vorbild nach einer angemessenen Zeitspanne an soziale und ökologische Zwecke gehen, die vom Privatsektor unzureichend finanziert werden. Allein damit könnten wir mehrere Milliarden Euro in eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder investieren, Gelder die bisher in bürokratischen Strukturen untergingen.

Wie ich beitragen kann

Seit vielen Jahren setze ich mich praktisch und wissenschaftlich mit staatlichen Investitionen auseinander. Ich habe beim Europäischen Stabilitätsmechanismus, dem Euro-Rettungsschirm, an der Beseitigung der letzten Staats-Schuldenkrise mitgewirkt und die hohen wirtschaftlichen und sozialen Folgen von „Sparzwang um jeden Preis“ erlebt. Durch meine Arbeit in Investmentbanken (Goldman Sachs, European Investment Bank) habe ich ein tiefes Verständnis von Kapitalmärkten und Finanzierungsoptionen für staatliche Investoren entwickelt, wie z.B. Green Bonds und Soziale Bonds. Meine langjährige Tätigkeit in der Wirtschaft fußt auf einer soliden Ausbildung als Betriebswirtin, u.a. an der London School of Economics und der Harvard Business School (MBA).


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