Privates

Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski
  • Was machst Du, wenn Du ganz unerwartet eine Stunde freie Zeit hast?

 Wenn wirklich nichts ansteht, dann setze ich mich am allerliebsten in einen bequemen Lesestuhl mit einem schönen Buch oder einer Zeitung.

  • Du hast Dich viele Jahre auf internationalem Parket bewegt. Kannst Du kurz zusammenfassen, wie Dich Deine Zeit in Luxembourg, den USA und Frankreich geprägt hat?

 Zum einen schafft es ein Bewusstsein dafür, was man bei uns als selbstverständlich voraussetzt und was in anderen Ländern gar nicht so selbstverständlich ist. Das ist mir vor allem bei Klima- und Umweltschutzthemen schon enorm aufgefallen. Als ich nach Frankreich kam, war zum Beispiel Mülltrennen überhaupt nicht üblich. Als ich in die USA kam, fand ich es schrecklich, dass an der Uni die ganze Nacht erstens das Licht brannte und zweitens die Klimaanlage lief. Und viele gar kein Bewusstsein dafür hatten. Das hat den Blick auf die Verhältnisse in Deutschland geschärft.

Und zum anderen ist mir aufgefallen, wie multikulturell Luxembourg, die USA und Frankreich sind. Als ich dann wieder nach Deutschland zurückkam, kam mir unser Straßenbild unglaublich homogen vor. Diese Buntheit, diese multikulturelle Note fehlt mir sehr in Deutschland, in München. Und da finde ich es toll, wenn ich hier zumindest im Privaten Menschen treffe, die im Ausland gelebt haben oder aus einer anderen Kultur kommen.

  • Welche ist Deine früheste Erinnerung aus Deiner Kindheit?

Ich erinnere mich an die Tierparkbesuche mit meinem Vater. Oft haben wir in den Elefanten zugeschaut. Wir hatten auch immer Hunde, die wir aus dem Tierheim geholt haben. Eine sehr frühe Erinnerung habe ich an einen dieser Hunde, einen Dobermann-Schäferhund-Mischling. Der hatte wohl eine traumatische Kindheit gehabt, aber er war unheimlich lieb zu mir. Ich habe eigentlich laufen gelernt, indem ich mich an ihm hochgezogen habe und immer hinter ihm her gegangen bin.

  • Gibt es ein bestimmtes Ereignis oder eine Person, das / die Dich veranlasst hat, aktiv in die Politik zu gehen?

Ich war immer schon grün-nah und habe mein erstes Praktikum im Studium bei den Grünen absolviert. Tatsächlich waren es dann aber der Rechtsruck und Populismus der vergangenen Jahre, die mich zur formellen Mitgliedschaft gebracht haben. Aus dem Bewusstsein um den Holocaust und das dritte Reich. Das Thema hat mich schon immer sehr bewegt. Und da habe ich mir gesagt, wir müssen Flagge zeigen, wir müssen aufstehen, wir müssen uns viel mehr zivilgesellschaftlich engagieren.

  • Der Wahlkampf ist anstrengend und fordernd. Was möchtest Du tun, um Dich seelisch und körperlich in Balance zu halten, immer wieder runterzukommen?

Wichtig ist es, auf die Familie zu schauen und auf die Leute, die einen unterstützen. Und ansonsten ist Sport machen superwichtig für mich, weil das Körper und Geist entspannt. Auch wichtig sind Kunst und gute Musik – laut Aufdrehen hilft, damit es mir wieder gut geht.

  • Welches Buch wird Dich vermutlich Dein ganzes Leben begleiten?  In das Du immer mal wieder reinschaust?

Ich habe tatsächlich sehr viele Lieblingsbücher.

Sehr schön geschrieben und unheimlich poetisch ist „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro (japanischer Autor). Darin geht es um das Nachdenken über verpasste Gelegenheiten, und dass man manchmal auch im späten Leben eine zweite Chance kriegt. Ein Buch wie ein Gedicht.

Ein weiteres Lieblingsbuch ist „Let my people go surfing” von Yvon Chouinard, dem Gründer der Outdoor-Marke Patagonia. Er beschreibt darin seine radikal freie Vision der Mitarbeiter- und Unternehmensführung, die Patagonia nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sondern auch ökologisch nachhaltig und nachhaltig beliebt gemacht hat.

 Nicht zuletzt ist „Herr der Ringe“ ein Favorit aller Zeiten. Einfach diese Vorstellungskraft, diese Fantasie aber auch die Botschaft, dass eines der kleinsten Wesen in der Welt der Wichtigste ist, der dank der Gemeinschaft der Gefährten den Ring am Ende ins Feuer werfen kann. Das ist ein großes Fantasietableau, in dem man sich verlieren kann.

  • Welche Musik hörst Du gerne?

 Ich höre in letzter Zeit tatsächlich sehr gerne mehr deutschsprachige Musik, auch bayerische Musik.  Claudia Koreck mag ich sehr gern und Sarah Connor in ihrem deutschen Gesang finde ich super. Dann höre ich ab und zu Rap, also in die Richtung von Casper. Aber ich mag auch klassische Musik und unheimlich gerne Verdi-Opern.

  • Eine gute Fee sagt Dir, dass sie Dir in diesem Jahr genau einen Wunsch erfüllen wird. Was wünschst Du Dir?

Ein großer Wunsch ist tatsächlich, dass wir die grüne Blase erweitern, dass wir neue Menschen begeistern von grünen Themen und zeigen, dass sie bei uns eine Plattform finden können, um für die Welt und gegen die Klimakrise zu kämpfen. Dass diese Bundestagswahl unsere Klimawahl ist und wir die Klimaplattform sind. Wenn wir das vermitteln können, haben wir viel erreicht.

  • Wie und wo hast Du Deinen Mann kennengelernt?

Wir haben uns in der Arbeit bei der Europäischen Union kennengelernt. Er hat mich dann mal zum Mittagessen eingeladen, und so hat sich das einfach entwickelt.

  • Welchen Sport schaust Du Dir gerne an?

 Ich kann mich sehr für Biathlon begeistern, finde es bewundernswert, wie man so viel Leistung auf der Langstrecke bringen kann und dann von einer Minute auf die nächste stoppt und auf das Ziel schießt. Was ich ansonsten super gern mag sind Skitouren im Wettkampf. 

  • Stell Dir vor es gäbe kein Corona und Du könntest Dich unmittelbar irgendwohin beamen. Wo möchtest Du dann jetzt sein?

Ich würde mich jetzt sehr gerne nach Neu-Delhi beamen. Die Familie einer sehr guten indischen Freundin aus Harvard lebt dort, und ich habe sie schon mehrfach besucht.  Diese Art, Indien zu erleben zu dürfen, ist so viel bereichernder, als wenn man das Land einfach nur als Tourist bereist. Weil man eben sieht, wie die Leute tatsächlich leben. Indien ist auch so ein bisschen mein Herzensland, das ist eine Kultur, in der ich mich unheimlich wohlfühle.

  • Bitte ergänze: In der Schule hat mir gefallen …

 … Mathematik und Sprachen, Englisch, Französisch. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, das zu lernen und zu verstehen. In der Mathematik hat sich alles eigentlich von allein erschlossen, also wenn man am Ball blieb. Das ist mir leichtgefallen.

  • Bitte ergänze: In der Schule hat mir nicht gefallen …

 … ein Fach wie Deutsch am wenigsten – diese ewiglangen Aufsätze, die man schreiben musste. Ich bin sicher, man hätte Deutsch interessanter lernen können.

  • Treibst Du irgendeinen Sport?

 Laufen gehe ich gerne, Bergsteigen, Skifahren und Yoga sind mir wichtig.

  • Wie schaut ein schöner Samstagabend für Dich aus?

 In Nichtcoronazeiten sähe ein richtig cooler Samstagabend so aus: Dass mein Mann und ich zuhause etwas Schönes essen und wir dann auf eine Feier, Party oder zu einem Kulturevent gehen. Und uns danach noch zu Cocktails mit Freunden treffen. Und in den jetzigen Coronazeiten: das Ganze ohne Ausgehen, also gemeinsam kochen, vielleicht einen schönen Wein trinken, eine interessante Dokumentation anschauen oder Musik genießen. Auf jeden Fall in der Familie. Das ist das Schönste.

 Was bedeutet die Europäische Union für Dich?

Europa ist für mich eine große Idee. Die Idee, dass wir im Frieden auf diesem Kontinent zusammenleben können, auch wenn ich jetzt persönlich den 2. Weltkrieg zum Glück nicht mehr erleben musste. Aber ich glaube die Verwerfungen daraus und das Erinnern sind doch stark genug, um zu wissen, dass der einzige Weg, wie wir diese Spirale aus immer wieder Krieg und Krise durchbrechen können, darin besteht, dass wir uns wirtschaftlich eng austauschen, und unsere Nachbarn kennenlernen und als Freunde begreifen. Ich habe selbst viele Freunde in Frankreich. Ich finde es toll, dass wir hier in Weilheim eine Partnerschaft mit Narbonne haben. Events wie zum Beispiel die Französische Woche sollte es noch viel mehr geben.  Schüleraustausch, Studentenaustausch, europäisches Radio und europäisches Fernsehen über Arte hinaus braucht es. Wir hören in den Nachrichten so wenig aus den Nachbarländern, da könnte man viel mehr berichten. Daneben sehe ich Europa weniger als ein Europa der Nationalstaaten, sondern als ein Europa der Regionen. 

Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski

Werdegang

Skip to content